04.10.2001
Interview Fränkische Nachrichten
MUSICAL "Piaf"
Rolle: Edith Piaf (Hauptrolle)
Regie: Carsten Ramm
Produktion: Badische Landesbühne Bruchsal
"Im Grunde bin ich genauso besessen wie die Piaf"
Die FRÄNKISCHEN NACHRICHTEN sprachen mit der bekannten Schauspielerin / Nicht des Geldes wegen auf der Bühne

Hardheim. Die Badische Landesbühne führte am Donnerstagabend in der Erftalhalle das erfolgreiche Musical "Piaf" von Pam Gems auf, welches das Leben der französischen Sängerin Edith Gassion, genannt "Piaf" thematisiert. Dieses gleicht einer griechischen Tragödie. Ihre Karriere beginnt als Straßensängerin in den Gassen von Paris. Luis Leplée, der Besitzer des Cluny-Clubs, entdeckt und engagiert Edith Gassion. Von ihm erhält sie auch ihren Künstlernamen, der auf deutsch "Spatz" bedeutet.
Während sie immer größere Erfolge als Sängerin feiert, erlebt sie im Privatleben eine Enttäuschung nach der anderen. Nach vielen gescheiterten Beziehungen steigt der Alkoholkonsum und sie verfällt in einen Arbeitsrausch. Wie eine Besessene klammert sie sich an ihre Chansons und singt sich die Seele aus dem Leib.
Mit ähnlicher Hingabe steht Carmen-Dorothé Moll auf der Bühne. Die Hauptrolle der Piaf liegt der aus Freiburg stammenden Schauspielerin gut. Wer sie bereits in der Rolle der Christina in der Fernsehserie "Die Fallers", gesehen hat, erkennt sie kaum wieder: Während sie dort das "liebe, nette Mädel" mimt, behauptet sie sich in der Rolle der Piaf mit bestimmter und energischer Stimme rücksichtslos ihren Mitmenschen gegenüber. Doch nicht nur die anderen, auch sich selbst beutet die Sängerin aus, denn sie gibt alles.
Wie Carmen-Dorothé Moll sich in der Rolle der Piaf fühlt? Die FRÄNKISCHEN NACHRICHTEN nutzten nach der Vorstellung in Hardheim die Gelegenheit zu einem Gespräch mit der bekannten Schauspielerin.
Mit eiligen Schritten und wehenden Haaren taucht die kleine Frau im Foyer der Erftalhalle auf. Sie setzt sich und muss erst einmal verschnaufen. Mit jedem Atemzug weicht ein Stück "Piaf". Ein Lächeln huscht über die Lippen, denn nach der gelungenen Darbietung fühlt sie sich zufrieden und glücklich. Sie sei zwar "total fertig und ausgepowert", wie sie freimütig zugibt, aber das "Hochgefühl" überwiege. Das Bewusstsein, etwas geleistet zu haben, und der Applaus des Publikums versetzten die Schauspielerin in eine Art Rauschzustand.
"Im Grunde bin ich genauso besessen wie die Piaf", gesteht Carmen-Dorothé Moll. "Wenn ich auf der Bühne stehe, muss das gewisse Etwas passieren." In einem weiteren Punkt stimmt die Schauspielerin mit der berühmten französischen Sängerin überein: "Ich gehe nicht wegen des Geldes auf die Bühne. Um belohnt zu werden, muss man die Schauspielerei lieben! Nur wegen des Geldes darf man den Beruf nicht ergreifen!"
"Trotz jahrelanger Erfahrung habe ich vor jedem Auftritt Lampenfieber. Aber das gehört einfach dazu. Man wird umso nervöser, wenn das Publikum nicht reagiert." Das Erfolgsrezept von Carmen-Dorothé Moll lautet: "Mit dem Publikum arbeiten". Das bedeutet, dass sie auf der Bühne nicht alles um sich herum vergessen darf. Sonst baut sich eine "Wand" zwischen ihr und dem Publikum auf.
Wie Carmen-Dorothé Moll es schafft so unterschiedliche Charaktere darzustellen, zeigt sie an einem Beispiel auf: "Zum Schauspieljob gehört das Recherchieren unbedingt dazu. Um mich in die Rolle der Piaf einfühlen zu können, habe ich mich mit einem Hut in München auf die Straße gestellt und gesungen." Ihr erging es ähnlich wie der Piaf: Plötzlich kam ein Italiener auf sie zu, der anbot: "Wenn Sie wollen können Sie in meinem Restaurant singen!" "Das hab' ich dann auch gemacht, eine echt wertvolle Erfahrung!", erinnert sich Carmen-Dorothé Moll. Keine Frage, dass sie sich im Vorfeld auch die original Videobänder von Edith Piaf anschaute, um zu wissen, wie sich der "Spatz von Paris" auf der Bühne bewegte.
Carmen-Dorothé Moll macht ihr Beruf Spaß. Mit einem Glitzern in den Augen erzählt sie, dass sie schon immer Schauspielerin werden wollte. An ihren ersten Auf-tritt kann sie sich noch gut erinnern: Im Alter von sieben Jahren trat sie mit dem Freiburger Kinderchor auf. In dem Märchenspiel "Das tapfere Schneiderlein" durfte sie im ersten Akt einen Hasen und im zweiten Akt einen Pagen spielen.
Ob sie heute lieber auf der Bühne oder vor der Kamera steht, kann sie nicht sagen. "Beides verlangt seine eigene Art zu schauspielen." Im Film müsse man schnell in Form kommen, da immer nur kurze Szenen gedreht werden. Auch in der Mimik gebe es Unterschiede. Zu ihren Schauspielkollegen hat Carmen-Dorothé Moll ein entspanntes Verhältnis. Konkurrenz empfindet sie als Bereicherung. Um ihre Engagements kümmert sie sich noch selbst. Büroarbeiten erledigt sie außerhalb der Probezeiten, die täglich von 10 bis 14 Uhr und von 18 bis 22 Uhr angesetzt sind. Trotz der knappen Freizeit, führt Carmen-Dorothé Moll im Moment eine feste Be-ziehung und hat Familienpläne. "Wenn alle zusammenhelfen, lassen sich auch Familie und Beruf vereinbaren. Man muss sich einfach darauf einlassen!", sagt die Optimistin überzeugt.
Regina Zürn
© Fränkische Nachrichten – 06.10.2001
Quelle: Fränkische Nachrichten, 6. Oktober 2001